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Bagamoyo: Geschichte pur

Foto: Peter Harke
Strandszene in Bagamoyo
Foto: Peter Harke
Boma

Kurzinfo Bagamoyo

Bagamoyo liegt ca. 80 km nördlich von Daressalam an der Küste des Indischen Ozeans. Mit seinen 44.000 Einwohnern (Summe der beiden Bezirke Dunda und Magomeni, Volkszählung 2012) liegt Bagamoyo, das immer noch nicht über eine eigenständige städtische Infrastruktur und eigene Stadtrechte verfügt, auf gleicher Höhe wie die (nur durch die Straße von Sansibar von Bagamoyo getrennte) Gewürzinsel Sansibar.

Der Wallfahrtsort Bagamoyo zählt neben Lamu, Mombasa und Kilwa zu den geschichtsträchtigsten Orten Ostafrikas und ist schon seit mehreren Jahren als Bestandteils eines neuen UNESCO-Weltkulturerbes "Ostafrikanische Sklaven- und Handelsroute" im Gespräch. In keiner anderen Stadt Ostafrikas liegen die alten Zeugnisse des Islams und der christlichen Missionierung, der Fremdherrschaft der Perser und Araber, der Sklaverei, der großen europäischen Entdecker wie Livingstone, Speke oder Burton sowie des deutschen und britischen Kolonialismus so dicht beisammen wie in Bagamoyo.

Nach der Unabhängigkeit Tansanias war der Ort viele Jahre ein verschlafener Fischerort, hofft heute aber auf eine rasche Entwicklung im Windschatten der sich  ausbreitenden Millionenstadt Daressalam und auf eine Zukunft als Zentrum für Tagungen und Kulturtourismus. Der Bau eines Hafens im südlich von Bagamoyo gelegenen Kaole und die damit geplante Aufnahme eines Linien-Schiffverkehrs zwischen Sansibar und Bagamoyo sollen die touristische Entwicklung in den kommenden Jahren ebenso vorantreiben wie der geplante Bau einer Küstenstraße von Daressalaam über Bagamoyo, dem Sadaani-Nationalpark, Pangani und Tanga bis nach Mombasa in Kenia.

In absehbarer Zeit soll der Fährbetrieb zwischen Daressalam und Bagamoyo aufgenommen werden, die neue Fähre liegt bereits im Hafen von Daressalam. Die Fluglinie Coastal verbindet Bagamoyo seit 2014 mit Sansibar und dem Internationalen Flughafen Daressalam. 

Südlich von Bagamoyo ist der Bau des größten Containerhafens Afrikas geplant. China hat für dieses Projekt sowie für die Errichtung einer Sonderwirtschaftszone Bagamoyo (zwischen Bagamoyo und Daressalam gelegen) die Summe von ca. 10 Mrd. US-Dollar in Aussicht gestellt und erhofft sich über Bagamoyo einen Zugang nicht nur ins Innere Tansanias, sondern auch zu den Nachbarstaaten Malawi, Sambia, Kongo, Ruanda und Burundi. 

In Zusammenhang mit dem Hafen und der Sonderwirtschaftszone sind auch der Bau eines Bahnhofs mit Anschluss an die Zentraleisenbahn und an die TanSam-Eisenbahn und der Bau eines neuen Highways von Bagamoyo in Richtung Chalinze zum TanSam-Highway geplant. Daressalam und Bagamoyo werden perspektivisch zusammenwachsen. Die Arbeiten für den neuen Containerhafen sollen im Sommer 2015 starten.

Derweil sind die Menschen, die in Bagamyo wohnen und wie seit Urzeiten hauptsächlich vom Fischfang leben, weiterhin sehr arm, die Häuser sind schlicht und die alten Kolonialgebäude sind dem Verfall preisgegeben. Angesichts des geplanen Hafenbaus steigen die Grundstückspreise allerdings rapide.

Gegenwärtig ist aber Bagamoyo auch (noch?) ein romantischer Ort: Hier gibt es Dutzende von Holz-Dhaus, in denen wie vor Jahrhunderten die einheimischen Fischer täglich zum Fischfang auslaufen. Der Strand ist noch unberührt und das Wasser klar. Und manches verfallene alte Kolonialgebäude könnte gut als Kulisse für einen Spielfilm von Werner Herzog dienen.

Die wenigen historischen Gebäude, die in den vergangenen Jahren sehr aufwändig renoviert werden konnten, verdanken dies dem Engagement vor allem der schwedischen Entwicklungshilfe (Sida), aber auch der punktuellen Unterstützung aus Norwegen (Norad) und aus Deutschland (Kirchen, Freundeskreis Bagamoyo e.V., Auswärtiges Amt).

Bagamoyo ist der Heimatort des amtierenden Staatspräsidenten Jakaya Kikwete und des Erziehungsministers Dr. Shukuru Kawambwa, der hier auch seinen Wahkreis hat.

Neben einigen Kolonialgebäuden, einer traditionellen Dhau-Schiffswerft, dem Distriktkrankenhaus und dem Fischmarkt liegen inzwischen vor allem am nördlichen Strand von Bagamoyo zahlreiche Hotels wie an einer Perlenkette aneinander gereiht. Doch sie warten nach der 2003 fertiggestellten breiten Asphaltstraße von Daressalam immer noch auf ihre Gäste - auf ausländische Touristen oder Naherholungssuchende der Millionenstadt. Immerhin wird Bagamoyo als Tagungsort immer häufiger genutzt.

Bagamoyo ist Teil und Hauptstadt des Bagamoyo-Districts mit 312.000 Einwohnern (Volkszählung 2012) und einer Größe von 9.842 qkm, was in etwa der Größe des Libanon oder der doppelten Größe des Münsterlandes entspricht.

Und mit dem Bagamoyo College of Arts/TASUBA verfügt Bagamoyo natürlich über das künstlerisch-kreative Zentrum (was die traditionelle Kulturen betrifft) schlechthin.

Alle Sehenswürdigkeiten von Bagamoyo auf einem Blick

Foto: Peter Harke
Dhau vor Bagamoyo

Zitate über Bagamoyo in der deutschsprachigen Literatur:

Ich sah hier zum erstenmal Häuser aus Stein

"Irgendwann, ich weiß nicht, nach wieviel Tagen, Wochen oder Monaten, kamen wir in Bagamoyo, der Stadt am Meer, an. Hier gab es viele Menschen, viele und größere Hütten als die unseren, und ich sah hier zum ersten Mal Häuser aus Stein."

Aus: Nasrin Siege, "Die Piraten von Libertalia", Berlin Verlag Bloomsbury 2009



Bagamoyo ist ein Ort der Anfänge und Ausgänge

"Von hier starteten Livingstone, Burton, Speke, Stanley und Grant, hier kam 1874 der Leichnam von Livingstone an. Hier endete die Sklavenroute. Der Name stammt von bwaga moyo ab, was in etwa bedeutet 'wirf deine Sorgen ab' oder 'leg ab die Last deines Herzens'. Zwar war dieser Ort für die Sklaven keine Endstation ihrer Leiden, sondern nur ein vorübertgehendes Innehalten, eher der Schmerz auf den Schiffen wieder einsetzte, aber wenn sie Bagamoyo erreichten, hatten sie sich mit ihrer Ausweglosigkeit abgefunden."

Aus: Ilija Trojanow, "Nomade auf vier Kontinenten", Eichborn Verlag 2007


Sie haben sich alle versammelt in Bagamoyo

"Sie haben sich alle versammelt in Bagamoyo, wo unzählige Sklaven die Last ihres Herzens abgelegt haben, wie der Name dieses Ortes, Ausgangspunkt aller Karawanen ins Landesinnere, verkündet. Sie warten auf das Zeichen zum Abmarsch. Die Träger, barfuß, sind armselig gekleidet, selbst am Tag des Aufbruchs, geschmückt nur mit einigen Streifen aus Fell oder Federbündeln."

Aus: Ilija Trojanow, "Der Weltensammler", Carl Hanser Verlag 2006



Eine Welt berauschender Bilder

"Eine Welt berauschender Bilder tat sich vor ihren Augen auf: herrschaftliche Häuser aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Ruinen einstmals zauberhafter Gebäude in traditionellen arabischen, afrikanischen und europäischen Bauweisen, zerfallene herabhängende Balkone voller Schnitzwerk, offene Fensterläden, eine Ansammlung von alten Traktioren, gepflegte Gärten zum Ozean hin, Lichter und flackernde Feuer am Hafen unweit der der gewaltigen Boma, eines immer noch mächtig wirkenden Palastes, von dem aus einst das Land regiert wurde."

Aus: Hermann Schulz, "Leg nieder dein Herz", Carlsen Verlag 2005



Bagamoyo gehört zu den Orten, die mich stets wie ein Magnet anzogen

"Im August 1980 kam ich zum ersten Mal nach Bagamoyo, und ich sollte das kleine, verschlafene Küstennest am Indischen Ozean im Laufe der Jahre vier Mal besuchen, denn es gehört zu den Orten in Afrika, die mich stets wie ein Magnet anzogen. Es ist ein Knotenpunkt, in dem die Fäden der Eroberungsgeschichte zusammenlaufen. Hier landeten die Schiffe der Inder und Perser, hier herrschten Araber, Portugiesen und die Sultane von Sansibar, hier begannen die europäischen Entdeckungsreisen, hier endeten die Karawanen der orientalischen Menschenjäger. Die Verzweiflung hat der Stadt einen Namen gegeben: Bagamoyo heißt: Wirf dein Herz weg. Diesen Ort erkoren die deutschen Reichskommissare zur vorläufigen Hauptstadt ihrer Kolonie."

Aus: Bartholomäus Grill, "Ach, Afrika. Berichte aus dem Inneren eines Kontinents", Siedler Verlag 2003


Bagamoyo ist heute eine fröhliche, kleine Küstenstadt

"Bagamoyo ist heute eine fröhliche, kleine Küstenstadt, Menschen aus den verschiedensten Gegenden der Welt haben sich hier niedergelassen, denn der Boden ist fruchtbar und das Meer voller Fische. Kaum jemand denkt hier noch an die traurige Geschichte, die mit den ernsten, großen Gebäuden verbunden ist. Kaum jemand denkt daran, daß die Dhaus, die flachen, breiten, nur vom Wind getriebenen Boote, die auch heute noch täglich viele Reisende zwischen der Küste und den Inseln transportieren, genauso aussehen und gebaut werden wie die Boote, in denen vor vielen hundert Jahren die Sklaven ihre gefährliche Reise über das weite, offene Meer machten."

Aus: Brigitte Heister, Esther Kinsky, "Unser fremdes Land", Tansanisches Reisebilderbuch mit Illustrationen von Brigitte Heister, Gildenstern Verlag 1987

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