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Containerhafen Bagamoyo: Weitere Verzögerung des Baubeginns und Einsetzung einer Task Force

Modell des neuen Hafens von Bagamoyo
Modell des neuen Hafens von Bagamoyo

Nach Angaben der tansanischen Regierung wird sich der geplante Baubeginn des neuen Containerhafens von Bagamoyo und der Sonderwirtschaftszone Bagamoyo weiter verzögern. Eine Task Force mit Vertretern des tansanischen Finanzministeriums, der Sonderwirtschaftszone (EPZA) sowie der chinesischen und omanischen Investoren soll nun die weitere Planung vorantreiben. Ziel sei die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts im Jahr 2025.

EPZA-Managerin Grace Lemunge räumte inzwischen finanzielle Engpässe ein: Von den Entschädigungen für Landpächter in Höhe von ca. 70 Mrd. Euro seien bislang erst ca. 23 Mill. Euro ausgezahlt worden. Es gelte nun weitere Mittel zu akquirieren.

Firmen, die in die Sonderwirtschaftszone investieren, wird eine zehnjährige Steuerbefreiung in Aussicht gestellt.

Grundsteinlegung durch Ex-Präsident Kikwete
Grundsteinlegung durch Ex-Präsident Kikwete

Ende 2015 schien eigentlich noch alles klar: Die Grundsteinlegung für das 11-Milliarden-Dollar-Projekt „Containerhafen und Sonderwirtschaftszone Bagamoyo“ wurde feierlich durchgeführt. Es war die letzte große Amtshandlung von Staatspräsident Jakaya Kikwete in seinem Heimatort und in Anwesenheit von hochrangigen Gästen aus China und dem Oman. Als Baubeginn wurde der Termin Juli 2016 verkündet.

Inzwischen ist die Lage ziemlich undurchsichtig: China als Hauptinitiator des Megaprojekts steckt mitten in einer Wirtschaftskrise, auch in Kenia gibt es einen großen Hafenneubau (Lamu), und es sind Stimmen selbst aus der Regierung zu hören, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen Ausbau bereits vorhandener Häfen (Daressalam, Mwanza, Tanga) bevorzugen würden – zumal die neue Öl-Pipeline von Uganda nach Tansania in den Hafen von Tanga mündet.

Vielleicht setzt sich in der konkreten Planungsphase aber auch allmählich die Erkenntnis durch, dass der Bau des Hafens die Bewältigung großer (und damit sehr teurer) ökologischer Probleme bedeuten würde (Mangrovenwälder, Strömungsverhältnisse, Versandungsprobleme etc.). Zudem müsste sich der neue forsche Präsident John Magufuli keineswegs wie sein Vorgänger in der Pflicht sehen, sich im Bagamoyo District um jeden Preis das übliche „Denkmal“ zu setzen.

Andererseits sind die vielschichtigen Interessen Chinas an einem Containerhafen in Bagamoyo (Ausfuhr von Rohstoffen, verstärkte Einfuhr chinesischer Waren) und die unbestrittenen Vorteile Tansanias (politische Stabilität, historische Verbundenheit beider Länder) weiterhin vorhanden. Auch kann der geplante größte Hafen ganz Afrikas nur in Verbindung mit der ebenfalls geplanten riesigen Sonderwirtschaftszone gesehen werden, die den Chinesen über Jahrzehnte einen direkten Draht zu den tansanischen Nachbarländern wie Malawi, Sambia, Ruanda, Burundi und Ostkongo mit guten Verbindungsmöglichkeiten nach Mosambik, Uganda, Kenia, Südsudan, Komoren, Madagaskar und den Seychellen ermöglichen würde.

Für die Chinesen geht es um nichts weniger als um den „chinesischen Traum“ einer „neuen maritimen Seidenstraße“ von China über das Südchinesische Meer, Indonesien, Malaysia, Indien und Sri Lanka nach Ostafrika, wo der Hafen von Bagamoyo nicht zuletzt auch die Möglichkeit des Transports von Waren über den Suezkanal nach Europa ermöglichen würde.

Verwirrung und Dementis

Anfang Januar 2016 war die Verwirrung komplett und beschäftigte die Medien weltweit: In einem Telefongespräch mit der Tageszeitung „The Citizen“ hatte Verkehrsminister Prof. Makame Mbarawa mitgeteilt, er wolle nicht zu viel über das Schicksal des Bagamoyo-Hafens verraten: „Ich kann nur sagen, dass wir uns gegenwärtig auf die Häfen von Daressalam und Mtwara konzentrieren“, also auf die Häfen, die in der Nähe der Erdgas-Felder liegen.

Bis heute wird dieses Interview als Beleg dafür angeführt, dass der Hafen von Bagamoyo auf Eis liegt. Die Logistik-Experten von der Deutschen Verkehrszeitung (DVZ) schrieben am 25.2.2016: „Bagamoyo steht unter keinem guten Stern“. Ähnliches teilte die deutsche Industrie- und Handelskammer ihren Mitgliedern mit.

Das Dementi der tansanischen Regierung auf den Citizen-Bericht folgte jedoch bereits einen Tag nach der Veröffentlichung und seitdem herrscht zumindest in der Öffentlichkeitsarbeit der Regierung in dieser Frage Funkstille.

In China und im ebenfalls beteiligten Oman gehen die Medien jedoch weiterhin von einer Durchführung des Projekts aus. Noch am 23. März meldeten die Gulf Digital News, das mit dem ersten Bauabschnitt wie geplant in diesem Jahr begonnen werde. Er sei dann 2019 abgeschlossen und der gesamte Hafen dann spätestens 2031 fertig gestellt.

Etwas zurückhaltender war im Frühjahr 2016 Jingtao Boi, Direktor von China Merchants Holdings: „Das Projekt zum Bau eines Mega-Hafens in Bagamoyo in Tansania an der Ostküste Afrikas ist noch im Planungsstadium“ (Martime News v. 13.3.2016).

"Beginn einer industriellen Revolution in Tansania"

Repräsentanten aus Tansania, China und dem Oman bei der Grundsteinlegung

Mehrere Vertreter ausländischer Botschaften waren am 16.10.2015 Augenzeuge der Grundsteinlegung des Hafens und damit des historischen Vorgangs, der Tansania die Tür zur weiteren Entwicklung, zur Industrialisierung und damit zum 21. Jahrhundert öffnen soll. Kikwete sprach in seiner Rede vom "Beginn einer industriellen Revolution in Tansania". Es war sicherlich kein Zufall, dass die Grundsteinlegung wenige Tage vor dem Ende der Amtszeit des aus Bagamoyo stammenden Präsidenten erfolgte. An der feierlichen Zeremonie nahmen auch zahlreiche Regierungsmitglieder sowie hohe Repräsentanten von China Merchants Holdings International (CMHI) unter der Leitung von Direktor Dr. Hu Jianhua und von State Government Reserve Fund (SGRF) aus dem Oman unter der Leitung von Sheikh Abdullah Al Saadi teil.

In der ersten Phase des 11 Mrd. USD-Dollar-Projekts, einer Kooperation von Tansania, China und dem Oman, soll der 800 ha große moderne Containerhafen gebaut werden mit einer noch weiter ausbaubaren vorläufigen Lagerfläche von 8.000 Containern. Eine 1.700 ha große Industriezone und die riesige Sonderwirtschaftszone sollen folgen.

Die BBC berichtet, dass die tansanische Regierung auf die Ansiedlung von ca. 1000 in- und ausländischen Firmen hofft.

Experten der drei beteiligten Länder sind im Rahmen einer trilateralen Task Force auch für den Bau eines Eisenbahnanschlusses, eines neuen Highways in Richtung Morogoro, Elektrizität, Wasser, Gas und Kommunikationstechnologie verantwortlich.

Die Daily News stellte in einer Wochenendausgabe auch bereits den Bau von Mapinga City vor, der geplanten neuen Satellitenstadt zwischen Daressalam und Bagamoyo.

Der Bau von Hafen, Industriezone und Sonderwirschaftszone wird voraussichtlich zehn Jahre dauern.

Tansanische Regierungsvertreter wiesen darauf hin, das der Bau des Containerhafens von Bagamoyo keineswegs eine Abwertung des hoffnungslos überlasteten Hafens von Daressalam bedeute. Im Gegenteil hätte die Weltbank gerade 600 Mill. USD für ein "Upgrade" des Hafens von Daressalam zur Verfügung gestellt.

Die Bewilligung von insgesamt 11 Mrd. US-Dollar geht auf ein entsprechendes Memorandum of Understanding zurück, das in Anwesenheit des tansanischen Staatspräsidenten am 28.9.2014 in Shenzhen (China) und im November 2014 im Oman unterzeichnet wurde.

Masterplan des neuen Hafens
Masterplan des neuen Hafens

Kikwete war 2014 aus Anlaß des 50. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und Tansania nach Asien geflogen und traf dort u.a. auf den chinesischen Regierungschef Xi Jinping.

Gegenwärtig werden Container noch im Hafen von Daressalam umgeschlagen, dessen Kapazität allerdings bereits 2020 ausgeschöpft sein soll. Beim Containerumschlag wird in den kommenden fünf Jahren mit einer jährlichen Steigerung von 10 % gerechnet.

Der Hafen soll den Indischen Ozean vor allem auch mit den rohstoffhaltigen und wirtschaftlich aufstrebenden Nachbarstaaten Burundi, Kongo, Ruanda, Malawi, Uganda und Sambia verbinden. Tansania steht dabei in Konkurrenz zu geplanten neuen Containerhäfen in Kenia und Mosambik.

Kommentar von Rudolf Blauth zum neuen Mega-Containerhafen 

Bartholomäus Grill im SPIEGEL: "Der Drache und der Strauß" 

"Tansania - die Illusion vom großen Aufbruch"
Artikel über die Rolle Chinas in Tansania in der Süddeutschen Zeitung vom 24.7.2015