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Die Wiege der Menschheit

Foto: Rudolf Blauth
Die Olduvai-Schlucht
Foto: Rudolf Blauth
Löwin in der Serengeti

Geschichte

Wiege der Menschheit

Nach dem gegenwärtigen Stand der Forschungen lebten die ersten Menschen dieser Welt in Ostafrika. In der Olduvai Schlucht (zwischen Ngorongoro Krater und Serengeti) entdeckte die Forscherin Mary Leakey 1959 eine der ältesten Knochenfunde der Menschheit (Alter: 1,8 Mill. Jahre). Ebenfalls von Leakey im Jahre 1976 entdeckte Fußabdrücke sollen sogar 3,5 Mill. Jahre alt sein.

1000 v.Chr.: Einführung des Ackerbaus

Lange Zeit lebten im heutigen Tansania nur Jäger und Sammler, bis vermutlich ca. 1000 v.Chr. Einwanderer aus dem Nordosten den Ackerbau einführten. Diese wiederum wurden von einwandernden Bantus aus dem Süden und Westen bzw. von einwandernden Niloten aus dem Norden (Massai) verdrängt.

700 n.Chr.: Die Araber und die Perser kommen

Im 8. Jahrhundert werden Sansibar und die Küstenregion von Arabern besiedelt, die auf der Suche nach Gold und Elfenbein bis weit ins Hinterland vorstoßen. Um 1200 n.Chr. folgen die Perser, die auch als Begründer einer neuen Küstenkultur gelten: Die Suaheli-Kultur mit einem unermeßlichen Schatz an Zivilisation und Architektur.

Foto: Rudolf Blauth
Das alte arabische Fort in Sansibar

1500 n.Chr.: Die Portugiesen beenden die Suaheli-Kultur

Im 15. Jahrhundert fallen die Portugiesen (Vasco da Gama) ein und beenden das "Goldene Zeitalter" der Suaheli. Die Städte Sansibar und Kilwa werden geplündert.

1700: Der Sultan von Oman vertreibt die Portugiesen

Ausgangs des 17. Jahrhunderts beendet der Sultan von Oman mit seinen Soldaten die 200jährige portugiesische Vorherrschaft. 1840 verlegt Sultan Sayyid Said seinen Regierungssitz von Oman nach Sansibar. Er besetzt die Küstenstädte und legt Karawanenrouten an, die mehrere tausend Kilometer ins Landesinnere führen.

1700 - 1900 n.Chr.: Millionen werden Opfer des Sklavenhandels

Der unermeßliche Reichtums des Sultans basiert auf den Erlösen durch die Sklaverei. Die Sklaven (soweit sie die Deportation überleben) werden auf die Zuckerrohrplantagen hauptsächlich der französischen Kolonien gebracht (Reunion, Mauritius etc.). Weitere werden Leibeigene im arabischen Raum, in Persien oder Indien.

Foto: Rudolf Blauth
Mahnmal gegen die Sklaverei vor der Anglikanischen Kirche in Sansibar - Resultat eines Künstlerworkshops in Bagamoyo

Bagamoyo: Endpunkt der Sklavenkarawanen

Die Hauptrouten des Sklavenhandels enden in Bagamoyo. Von hier werden die überlebenden Sklaven nachts nach Sansibar verschifft und dort auf dem Sklavenmarkt versteigert (Bagamoyo = Leg Dein Herz nieder). Auf dem Versteigerungsplatz steht heute der Altar der Anglikanischen Kirche von Sansibar.

1830: Verbot der Sklaverei

Nach dem Verbot der Sklaverei 1830 durch die Engländer verbietet 1845 auch der Sultan von Sansibar die Sklaverei, die allerdings illegal noch bis zum ersten Weltkrieg fortgesetzt wird. Sklavenhandel und der Anbau der Gewürznelke machen Sansibar zur wichtigsten Stadt an der Küste Ostafrikas.

Foto: Privatbesitz Peter Harke
Der Hafen von Sansibar

1885: Deutsches Protektorat wird errichtet

Der Deutsche Carl Peters betrügt einheimische Herrscher mit angeblichen Schutzverträgen. 1885 ruft Bismarck das deutsche Protektorat aus. Heftige Widerstände im Landesinnern und an der Küste werden unter der Leitung Major von Wissmanns zurückgeschlagen. Erst Bagamoyo, dann Dar es Salaam werden zur Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas. Die Deutschen bauen Straßen und Eisenbahnen, führen die Monokultur ein, zerstören die Selbstversorgungswirtschaft und regieren mit äußerster Brutalität.

1891 - 1905: Zahlreiche Aufstände gegen die deutsche Kolonialherrschaft

Von 1891 bis 1898 leistet das Volk der Hehe mit ihrem Führer Mkwawa einen Guerilla-Widerstand gegen die deutschen Kolonialherren. Der Kopf Mkwawas wird als Kriegstrophäe nach Deutschland gebracht. Der am 31.7.1905 beginnende Maji-Maji-Aufstand wird im November 1905 blutig niedergeschlagen. Die an die Kraft eines Zauberwassers glaubenden Afrikaner laufen mit freiem Oberkörper in die Salven der erstmals eingesetzten deutschen Maschinengewehre. Alleine bei der Schlacht um Mahenge sterben 8000 Afrikaner. Die Gesamtzahl der getöteten Afrikaner wird auf über 200.000 geschätzt. Auf Seiten der Deutschen sterben 15 Personen.

Foto: Rudolf Blauth
Maji-Maji-Aufstand: Szene aus dem Musical der Bagamoyo Players

1918: Ende der deutschen Kolonialherrschaft

Unter Einsatz hauptsächlich afrikanischer Truppen leistet General Paul von Lettow-Vorbeck während des 1. Weltkrieges Widerstand gegen die einrückenden Alliierten. Er kapituliert am 16.11.1918, über 100.000 Menschen, hauptsächlich Afrikaner, sterben in diesem bereits aussichtslosen Kampf.

1919: Errichtung des britischen Treuhand-Territoriums Tanganyika

Entsprechend dem Versailler Vertrag tritt Deutschland seine Kolonien an die Alliierten ab. Tanganyika wird von nun an von Großbritannien verwaltet.

1947: Tanganyika wird unter Treuhandverwaltung der Vereinten Nationen gestellt

Der Lehrer Julius Nyerere wird Präsident der Tanganyika African National Union (TANU).

Nationalflagge Tansania

9.12.1961: Tanganyika wird unabhängig

Sansibar bleibt britisches Protektorat. Im Dezember 1963 erhält Sansibar die Unabhängigkeit, einen Monat später wird der Sultan durch eine Revolution (12.000 Tote) gestürzt. Sansibar und Pemba schließen sich mit Tanganyika zur United Republic of Tanzania zusammen. Am Tag der Unabhängigkeit hat Tansania nur 120 Bürger mit Hochschulreife. Nyerere entwickelt das Modell des "Ujamaa", des afrikanischen Sozialismus. Die Prinzipien dieser Politik werden 1967 in der Arusha Declaration verkündet: Nationalisierung der Banken, Industrien und Ländereien, Gründung von Gemeinschaftsdörfern, Einheitspartei.

1978: Überfall von Idi Amin auf Tansania

Tansania schlägt zurück und stürzt den Diktator aus Uganda.

1985: Nyerere tritt zurück, Ujamaa gescheitert, neuer Reformkurs

Das Experiment "Ujamaa" ist gescheitert. 1992 wird die Einparteienherrschaft zugunsten eines Mehrparteiensystems aufgehoben, die Prinzipien der freien Marktwirtschaft werden Schritt für Schritt eingeführt. Tansania bleibt in der Gruppe der 25 ärmsten Länder der Welt.

1999: Volkstrauer nach Tod von Nyerere

Staatsgründer Julius K. Nyerere stirbt unter großer Anteilnahme der Bevölkerung nach schwerer Krankheit in London.

Reaktionen im In- und Ausland 

Foto: www.leksikon.org
Julius K. Nyerere

2000: CCM gewinnt erneut Parlamentswahl

Unter internationaler Wahlbeobachtung gewinnt die Regierungspartei CCM erneut die absolute Mehrheit. Während die Wahlen auf dem Festland einhellig als "fair" bezeichnet werden, sprechen die Opposition und internationale Wahlbeobachter hingegen von einem Wahlbetrug auf Sansibar. Benjamin Mkapa bleibt Staatspräsident.

2001: Unruhen auf Sansibar und Pemba, Friedensvertrag

Nachdem die Regierung Kundgebungen der Oppositionspartei CUF, die für Neuwahlen und für eine neue Landesverfassung eintritt, verbietet, kommt es Ende Januar/Anfang Februar zu (bislang in Tansania unbekannten) blutigen Unruhen: Zwischen 30 (Regierungsangaben) und 80 (Angaben der Opposition) Tote sind die Folge, viele hundert Menschen werden zum Teil schwer verletzt, über 1.000 Mitglieder der Opposition fliehen nach Kenia und werden dort in Flüchtlingscamps untergebracht. Nach internationalen Protesten beruhigt sich die Lage allerdings recht schnell wieder. Zum Jahresende setzt ein Friedensvertrag zwischen CCM und CUF einen vorläufigen Schlußstrich unter die Auseinandersetzungen. Die EU nimmt ihre zwischenzeitlich ausgesetzte Entwicklungshilfe für Sansibar wieder auf. Die meisten Flüchtlinge kehren nach einer Straffreiheits-Garantie auf die Gewürzinseln zurück. 

2005: Faire Parlamentswahlen und erneuter Wahlsieg der CCM

Im Dezember 2005 finden in Tansania nationale Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Die amtierende Regierungspartei CCM erringt von den insgesamt 232 Parlamentssitzen 206 (88,8%). Die restlichen Sitze fallen an die Oppositionsparteien CUF mit 19 Sitzen (8,2%), Chadema mit 5 Sitzen (2,2%), sowie TLP und UDP mit jeweils 1 Sitz (0,4%). Neuer Staatspräsident wird der bisherige Außenminister Jakaya Kikwete aus dem Bagamoyo Distrikt mit 9,1 Mill. Wählerstimmen in der Direktwahl (80,2%) vor Prof. Ibrahim Limpumba (CUF) mit 1,3 Mill. (11,6%), Freeman Mbowe (Chadema) mit 672.000 (5,9%)und Augustine Mrema (TLP)(0,7%) mit 84.000 Stimmen. Sämtliche europäischen und afrikanischen Wahlbeobachter sprechen von einem fairen Wahlverlauf.

Staatspräsident Jakaya Kikwete
Staatspräsident Jakaya Kikwete

2006: Schuldenerlass

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erlässt zu Beginn des neuen Jahres neben 18 weiteren armen Ländern auch Tansania die Schulden. Das Abschreiben der Kredite kostet den IWF umgerechnet 2,8 Milliarden Euro. Auch die Weltbank und die afrikanische Entwicklungsbank wollen noch in diesem Jahr über einen Schuldenerlass entscheiden. Die reichen Länder versprechen bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank im September 2005 in Washington, die ausfallenden Beträge zu ersetzen. Dafür musste auch Tansania eine gute makroökonomische Politik und Programme zur Armutsfinanzierung vorweisen. Die Fortschritte im Kampf gegen die Korruption und die wirtschaftlichen Fortschritte rechtfertigen das Vertrauen der Geberländer.

2008: Kikwete wird Präsident der Afrikanischen Union

Das internationale Ansehen Tansanias verdeutlicht die Wahl des tansanischen Staatspräsidenten Jakaya Kikwete zum Präsidenten der Afrikanischen Union. Im Februar 2009 stellt sich Kikwete allerdings desillusioniert nicht mehr zur Wiederwahl. Auch die Ernennung von Asha-Rose Migiro zur Stellvertretenden UN-Generalsekretärin (seit 2007) ist ein großer außenpolitischer Erfolg.

2010: Staatspräsident Jakaya Kikwete wiedergewählt, CCM verteidigt absolute Mehrheit, erstmals Koaltionsregierung auf Sansibar

Am 31.10.2010 kann Staatspräsident Jakaya Kikwete sein Amt mit einem Stimmenanteil von 61% verteidigen. Auch die bisherige Regierungspartei CCM, die seit der Unabhängigkeit noch alle Wahlen gewonnen hat, kann erneut die absolute Mehrheit erringen. Allerdings sieht sie sich einer gestärkten Opposition gegenüber, die das Thema "Korruption" zum Wahlkampfthema gemacht hat. Dr. Willbrod Slaa, Präsidentschaftskandidat der stärksten Oppositionspartei Chadema, errang mit 26% einen Achtungserfolg. Nach einer weltweit beachteten Verfassungsänderung auf Sansibar, die zukünftig eine Koalitionsregierung per Verfassung vorsieht, bilden erstmals die CCM und die CUF gemeinsam die Regierung. Die Wahlen verliefen friedlich und weitgehend fair.   

Foto: Ippmedia
Das Foto des Jahres: CCM und CUF feiern gemeinsam die Wahl

2011-15: Entdeckung vieler Rohstoffe, konstantes Wirtschaftswachstum

Einsetzen eines deutlichen und konstanten Wirtschaftswachstums, das trotz der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise mit 6-7 % auf die Erschließung enormer Bodenschätze wie z.B. Gold, Diamanten, Gas, Nickel, Uran, Erdöl und vor allem Erdgas vor der Küste Tansanias zurückzuführen ist. Auch der Tourismus ist deutlich angestiegen auf über 1 Millionen Besucher pro Jahr (2014). Die Einnahmen durch den Tourismus stiegen auf über 1,5 Mrd. US-Dollar. China, das seinen Einfluss in Afrika kontinuierlich ausbaut, hat 2013 den Bau eines großen Containerhafens und den Bau einer Sonderwirtschaftszone südlich von Bagamoyo angekündigt. Mit dem Bau soll im Juni 2015 begonnen werden.

Nach Meinung renommierter Experten gehört Tansania weltweit zu Ländern mit dem größten Wirtschaftswachstum in den kommenden 10 Jahren.

Interview mit dem Mineralien- und Energieexperten Godwin Nyelo Ende 2012