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Hermann Schulz, "Wenn Dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt"

Buchcover

Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 2002
127 S., 11 EUR

Der Buchautor, 1938 in Tansania geboren und 34 Jahre lang Leiter des Peter Hammer Verlages in Wuppertal, hat für seine Romane bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Es ist schwer vorzustellen, daß dies für seinen neuen Roman nicht der Fall sein wird.

Wie bereits in seinem Buch "Auf dem Strom" geht es erneut um Tansania und die Begegnung von schwarz und weiß. Während  in dem ersten Tansania-Roman die Reflektion eines Missionars die zentrale Rolle spielt, nimmt die Position des "weißen Mannes" diesmal der Geologe Dr. Egon Kirschstein ein, ein "Träumer", der in Kigoma am Tanganyika-See (weitgehend erfolglos) nach Edelsteinen sucht. Dr. Kirschstein, der tatsächlich in Tansania gelebt hat und dessen Kinder durch ihre Erinnerungen zum Gelingen des Buches beigetragen haben, ist mit einer schwarzen Tansanierin verheiratet und hat so viele Kinder in die Welt gesetzt, daß es "gut und gerne hundert Leute gibt, die alle Kirschstein heißen".

Einer seiner jüngsten Söhne ist elf Jahre alt, trägt den Namen Temeo (Thomas) und ist der Erzähler des Buches aus Kindersicht:

Der Vater verunglückt in seiner Goldgrube und liegt schwer verletzt zu Hause, während Temeo auf Anweisung seiner Mutter (Mama Masiti) zu verschiedenen wohlhabenden Menschen geschickt wird, um Geld für die medizinische Versorgung des Vaters zu sammeln. Dabei muß er sich auch mit einigen dubiosen weißen Goldsuchern herumschlagen, die versuchen, aus der Krankheit des Vaters Kapital zu schlagen.

Das Buch ist äußerst flüssig geschrieben, es vermittelt viel über das Alltagsleben in Tansania, über das Zusammenleben von Schwarzen, Weißen und Indern. Vor allem aber ist es mit unglaublich viel Humor gefüllt, der äußerst warmherzig ein farbenfrohes Bild der handelnden Tansaniern zeichnet und der so gut den tagtäglichen Humor der Tansanier trifft. Als Beispiel die Einladung von Temeo zu einem Mittagessen bei weißen Missionaren:

"Ich musste mich an den Tisch setzen und mit ihnen essen. Das fand ich grundsätzlich gut. Nur was sie aßen, war abenteuerlich. Wahrscheinlich finden sie gebratene Kartoffeln mit ungekochtem Salat sogar lecker, diese Wazungu. Ich hatte nicht vor, mich ein Leben lang wie ein Kaninchen zu ernähren."

Höhepunkt sicherlich die typisch schwarzafrikanische Auseinandersetzung mit dem konkreten Problem: Wie bringe ich meiner muslimischen Mutter ein geschenktes Schwein nach Hause? Lösung: Ich gehe zu einem Zauberer und lasse es kurzerhand in Ziegenfleisch verwandeln.

Das Buch, das sehr rührend endet, ist sowohl für Erwachsene als auch für Kinder ab dem 4. Schuljahr geeignet. Man erfährt eine wunderbare und sehr dichte Einführung in Land und Leute. Die Auseinandersetzung schwarz-weiß erleichtert dem weißen Leser den Zugang zur schwarzafrikanischen Kultur und der schwarz-weiße Sohn, der in erster Linie Afrikaner ist, fungiert in diesem Zusammenhang als genialer Mittler.

Das Buch ist aber auch hervorragend geeignet für eine kindgerechte Auseinandersetzung mit dem Thema Tod. Wie Trauer durch Träume verarbeitet werden und dabei auch noch der Humor helfen kann: Hermann Schulz führt den Leser nach Tansania, um Antworten auf Fragen zu finden, die sich auch in Deutschland stellen.